Neuer Taxiobmann in Wien unterwegs

Die vergangenen eineinhalb Jahre hat Resul Ekrem Gönültas die Obmannschaft in der Fachgruppe Beförderungsgewerbe mit Pkw in Wien geleitet, Leopold Kautzner agierte als sein Stellvertreter. Mit Jahresbeginn 2022 haben die beiden - wie bei der „Amtsübernahme“ geplant - die Positionen gewechselt. „Der Zusammenarbeit tut das keinen Abriss, wir kämpfen selbstverständlich für unsere Branche”, so Kautzner. Der neue Branchenobmann, der selbst lange Zeit als Taxifahrer unterwegs war, ist Leiter einer Taxischule in Wien und engagiert sich schon seit 2010 aktiv in der Branchenvertretung. Wir haben den neuen Taxiobmann zum Interview geladen.

Lieber Herr Kautzner, in Wien gibt es etwa 2500 Taxiunternehmen und mehr als doppelt so viele Fahrzeuge. Wie möchten sie sich in der Branche engagieren?

Leopold Kautzner: Die letzten zwei Jahre haben der Branche stark zugesetzt. Fehlende Touristen und die nicht vorhandene Nachtgastronomie haben unseren Lenkern und Unternehmern ein ordentliches Umsatzminus beschert. Dennoch standen unsere Taxilenker immer bereit, egal ob Lockdown oder nicht. Daher: Ein herzliches Dankeschön an alle Lenker und Unternehmer! Ich weiß den Einsatz sehr zu schätzen.

Nun gilt es, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und das Image der Branche aufzupolieren. Wie ich das erreichen möchte? Zum einen werde ich intensiv mit alle Taxivermittlern und Fraktionen das Gespräch suchen. In Zeiten wie diesen sollte der Zusammenhalt an erster Stelle stehen. Zum anderen möchte ich sowohl bei der Politik, als auch bei den Medien auf unsere Problemfelder hinweisen. Obwohl in den vergangenen Jahren bereits einiges geschehen ist, gibt es sicher noch Verbesserungspotenzial.

Sie sprechen damit wohl auch den neuen Tarif an?

Kautzner: Das neue Tarifmodell ist die erste Tariferhöhung seit elf Jahren! Während es in anderen Branchen jährlich zu „Indexanpassungen“ kommt, mussten unser Lenker und Unternehmer jahrelang darauf warten. Nun heißt es, zu evaluieren, wo es noch Probleme gibt – denn ja, es gibt noch Probleme! Kleine Taxiunternehmer leiden darunter, dass manche großen Marktteilnehmer in Österreich keine Steuer abführen. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht und Investitionen werden für Kleinunternehmer nahezu unmöglich. Ich möchte hier für mehr Fairness sorgen, damit alle dieselben Spielregeln haben. Ich werde daher der Stadt Wien und den politischen Parteien meine und unsere Expertise anbieten und versuchen, das Beste für die Branche rauszuholen.

Ab 2025 sollen nur mehr E-Taxis zugelassen werden. Ist das praxistauglich?

Die Wirtschaftskammer Wien hat mit Partnern das Projekt eTaxi Austria gestartet. Dieses Pilotprojekt ermöglicht es den Lenkern von E-Taxis, direkt am Standplatz ihren Wagen zu laden. Beim Matrix Charging funktioniert das Laden mittels einer Platte am Boden und nicht per Kabel. Das kann ein Gamechanger für unsere Branche werden. Die Wiener Taxis gehen voran und ich freue mich, das Projekt begleiten zu können. Klar ist natürlich: Im Bereich Förderungen etc ist noch Luft nach oben. Viele Unternehmer scheuen sich noch, auf E-Taxis umzusteigen. Gezielte Förderungen für unsere Unternehmer und Lenker könnten hier einen Anreiz schaffen.

Danke für das Gespräch!

04.05.2022